Wie Jabra mit Evolve3 das Business-Headset neu erfindet
Mit der neuen Generation seiner Evolve-Serie sorgt Jabra für Gesprächsstoff in der Branche. Ein Designbruch, neue technologische Ansätze und ein klarer Blick auf die Zukunft der Arbeit werfen viele Fragen auf – und liefern ebenso viele überraschende Antworten. Im Gespräch mit SQUT erklärt Gregor, warum jetzt der richtige Moment für diesen Schritt ist, was sich hinter dem Strategiewechsel verbirgt und welche Rolle Künstliche Intelligenz dabei spielt. Wer wissen will, wohin sich professionelle Kommunikation entwickelt, sollte dieses Interview nicht verpassen.
SQUT: Ihr habt erst vor wenigen Wochen mit zwei neuen Headsets die dritte Generation der Jabra Evolve-Headset-Serie angekündigt. Was macht diese Headsets besonders?
Gregor: Das ist richtig. Wir bringen zunächst die beiden Top-Modelle Evolve3 85 und Evolve3 75 auf den Markt – sie sind ab März verfügbar. Und ich kann dir sagen, dass ich sehr gespannt auf die Reaktion unserer Kunden und Partner bin. Diese beiden Headsets sind wirklich außergewöhnlich, was auch auf den ersten Blick sofort auffällt. Und zwar kommen sie ohne Mikrofonarm aus und bieten trotzdem beste Spracherfassung und Klangqualität.
SQUT: Das ist in der Tat überraschend – bisher habt ihr ja bei euren professionellen Headsets immer auf den Boomarm gesetzt, während der ein oder andere Hersteller schon Modelle ohne Mikrofonarm im Angebot hat, allerdings mit eher bescheidenem Erfolg. Woher kommt jetzt der Umschwung?
Gregor: Die wichtigste Funktion eines Headsets ist es, die Sprache seines Nutzers kristallklar zu übertragen – und das auch bei Hintergrundgeräuschen, die in Großraumbüros oder bei der mobilen Arbeit immer eine Herausforderung darstellen. Die technisch zuverlässigste und beste Methode war bisher definitiv der Boomarm. Er bringt das Mikrofon sehr nah und gerichtet an die Schallquelle – also deinen Mund. Die Stimme kommt dort viel lauter und definierter an als die Umgebungsgeräusche und kann so natürlich auch einfacher davon unterschieden werden.
Wenn aber das Mikrofon in die Ohrmuschel integriert ist, ist es deutlich weiter vom Mund entfernt und andere Geräusche im Raum treffen es aus sehr ähnlichen Richtungen wie deine Stimme. Zudem ist der Lautstärkeunterschied zwischen Hintergrundgeräuschen und Stimme nicht mehr so eklatant. Komplexe Algorithmen und KI-Modelle müssen dann versuchen, deine Stimme aus einem viel „schmutzigeren“ Mix herauszurechnen – und das ist technisch deutlich schwieriger. Wir hatten uns daher entschieden zu warten, bis die Technologie so weit ist, dass wir ein boomloses Headset entwickeln können, das wirklich absolut gleichwertig oder sogar besser ist als unsere bisherigen.
SQUT: Aber glaubst du, dass sich der Aufwand lohnt? Der Boomarm stört doch nicht, oder?
Gregor: Ich denke, das kommt sehr auf den Kontext an. Wenn ich in einem Callcenter arbeite und das Headset wirklich nur dort nutze, dann stört er mich wahrscheinlich weniger. Es gibt aber seit einigen Jahren schon den Trend, dass sich Nutzer:innen Produkte wünschen, die mehrere Rollen gleichzeitig erfüllen: Sie sollen businesstauglich, aber auch privat attraktiv sein. Dieser Trend wird durch flexibles, mobiles Arbeiten und die Verschmelzung von Arbeit und Freizeit stark angetrieben. Unsere Kundinnen und Kunden wollen gerne ein einziges Headset haben, das sie sowohl beim Arbeiten als auch in der Freizeit nutzen können, ohne dabei wie ein Hubschrauber-Pilot auszusehen.
SQUT: Heißt das, dass irgendwann alle Headsets „boom-less“ sein werden?
Gregor: In fernerer Zukunft eventuell schon. Momentan ist diese Technologie aber natürlich noch verhältnismäßig teuer und überall da, wo die Headsets wirklich ausschließlich im Arbeitskontext genutzt werden, sind Mikrofonarme weiterhin effektiv und sinnvoll. Und das wird gewiss noch einige Jahre so bleiben.
SQUT: Was genau hat jetzt den technischen Fortschritt ermöglicht?
Gregor: Im Prinzip wurde an fast allen Stellschrauben gedreht, aber die entscheidende neue Technologie nennen wir bei Jabra ClearVoice. ClearVoice setzt auf KI-gestützte Deep-Learning-Technologie, die wir mit 60 Millionen gesprochenen Sätzen trainiert haben, sowie fortschrittliche Algorithmen, um Sprache zu erfassen, zu isolieren und Hintergrundgeräusche so komplett zu unterdrücken. Entwickelt wurde sie von unseren Kollegen bei GN Hearing. Und ohne die neuen, extrem leistungsfähigen Chipsätze, die wir bei Evolve3 verwenden, wäre es nicht möglich, eine Funktion mit so hohem Rechenaufwand direkt auf dem Headset laufen zu lassen.
SQUT: Was gibt es sonst noch für Neuerungen bei den beiden Headsets der Evolve3-Serie?
Gregor: Es gibt sehr viele erwähnenswerte Änderungen und Neuerungen – wir haben es zum Beispiel geschafft, beide Headsets noch einmal entscheidend kleiner und leichter zu machen als ihre Vorgängermodelle. Das macht sie noch bequemer, sodass man sie viele Stunden am Stück ohne Probleme tragen kann. Und sie nehmen viel weniger Platz weg in der Tasche, was für Menschen, die viel unterwegs sind, großartig ist. Das Design ist, wie ich finde, auch noch eleganter und kann sich mit den großen Consumer-Marken wirklich messen. Wie schon erwähnt werden diese Punkte ja auch bei professionellen Geräten immer wichtiger. Den Klang haben wir noch besser gemacht durch den LC3-Codec für erstklassige Bluetooth-Übertragung und Advanced Spatial Sound. Letzteres macht nicht nur den Musik- und Mediengenuss noch immersiver, sondern funktioniert auch bei Calls. Ich habe dann als Nutzer nicht mehr das Gefühl, dass die Stimmen meiner Gesprächspartner sozusagen in meinem Kopf sind, sondern dass sie aus dem Raum kommen. Das klingt erstaunlich natürlich und führt dazu, dass man weniger schnell ermüdet.
SQUT: Und wie gut schirmen die beiden Headsets mich als Nutzer von Umgebungslärm ab, wenn ich mich besser konzentrieren will?
Gregor: Sehr guter Punkt – für mich ist eine der wichtigsten Neuerungen neben dem boomlosen Design, dass wir ein außerordentlich gutes adaptives Active Noise Cancelling (ANC) haben, das auch während Calls und sogar darüber hinaus zusammen mit Sidetone arbeitet. Sidetone ist eine Funktion, die deine Stimme über das Mikrofon erfasst und sie dir leise über die Ohrmuscheln zurückspielt. Das heißt, dass du einerseits durch ANC vor Umgebungsgeräuschen abgeschirmt bist, aber gleichzeitig deine eigene Stimme hören kannst. Dies bewahrt dich davor, dass du ungewollt immer lauter sprichst. Technisch ist das durchaus eine Herausforderung, weil diese beiden Technologien eigentlich im Widerspruch zueinander stehen. Ich kann aber aus eigener Erfahrung sagen, dass es einen Riesenunterschied macht, wenn sie gleichzeitig funktionieren. Zum Beispiel im Zug: Wie oft hat man schon erlebt, dass Mitreisende ein Geschäftsgespräch führen – und zwar lautstark, sodass alle genervt die Augen verdrehen und zudem auch noch sensible Business-Informationen mitbekommen. Mit diesem Headset verspreche ich, dass das nicht passiert. Man spricht ganz leise, da man sich selbst noch hören kann, und zudem ist die Spracherfassung so gut, dass dich dein Gegenüber einwandfrei hören kann und dabei vom Hintergrundlärm nichts merkt.
SQUT: Wir haben jetzt viel über Hardware und Technik gesprochen. Was glaubst du sind die nächsten großen Entwicklungen im Kundenservice und inwiefern geht ihr mit Jabra darauf ein?
Gregor: Künstliche Intelligenz ist natürlich das Thema schlechthin im Kundenservice und es steckt ja auch wirklich ein wahnsinniges Potenzial in der Automatisierung. Viele Anliegen können sehr gut durch KI beantwortet werden. Ich bin aber der festen Überzeugung, dass der vermehrte Einsatz von KI in unserem Alltag das Menschliche am Ende besonders wertvoll und wichtig machen wird – auch im Kundenservice. Es sollte meiner Meinung nach für Kunden immer möglich sein, mit einem menschlichen Mitarbeiter zu sprechen, wenn der Bedarf besteht. Viele wollen das vielleicht gar nicht und sind froh, wenn sie Angelegenheiten über Self-Service-Angebote auf den Websites von Unternehmen oder im Gespräch mit einem Chat-Bot selbst schnell klären können. Wenn dann aber doch jemand zum Telefon greift, um mit einem echten Menschen zu sprechen, gewinnen menschliche Qualitäten wie Empathie, Freundlichkeit, Authentizität etc. besonders an Bedeutung. Zugleich wird von den menschlichen Mitarbeitenden aber auch eine hohe Kompetenz erwartet, und dass sie Probleme schnell und effizient klären. Und hier kommt dann KI wieder ins Spiel – aber nicht, um den Menschen zu ersetzen, sondern um ihn zu unterstützen. Wir haben daher unsere Software Engage AI weiterentwickelt und bieten jetzt auch eine Premium-Version mit Sprache-zu-Text-Transkription und generativer KI an. Sie ist jetzt nicht mehr nur in der Lage, den Tonfall der Agent:innen und der Kund:innen zu analysieren und den Mitarbeitenden dementsprechend zu coachen, sondern unterstützt auch bei klassischen administrativen Aufgaben. Mit Engage AI Complete bekommen die Mitarbeitenden eine automatische Zusammenfassung des Gesprächs. Die KI erkennt auch den Anrufgrund und, ob das Anliegen des Kunden geklärt werden konnte. So kann sich der Mitarbeitende voll auf das Gespräch konzentrieren und muss nicht gehetzt versuchen, alles zu notieren.
In Bezug auf Engage AI werden wir dieses Jahr auch noch weitere Neuerungen bekannt geben. Da dürft ihr also auch gespannt bleiben.

Gregor Knipper
Im Daily Business Managing Director Central Europe, Middle East und Turkey bei Jabra. Privat verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Söhnen, Hobby-DJ und hundebekloppt.

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Key Features von Evolve3 85 und Evolve3 75
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Elegantes Design ohne Mikrofonarm mit Jabra ClearVoice, unterstützt durch Deep-Neural-Network-Technologie für kristallklare Sprachübertragung.
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Adaptives ANC, das sich in Echtzeit an die Umgebung anpasst.
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ANC und Sidetone arbeiten bei Calls gleichzeitig. Nutzer:innen sind so von Lärm abgeschirmt und hören zugleich ihre eigene Stimme, sodass sie nicht ungewollt zu laut sprechen.
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Spatial Sound für natürlichere und weniger ermüdende Gespräche und immersiven Mediengenuss.
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Schnellladefunktion ermöglicht über Kabel in nur zehn Minuten bis zu zehn Stunden Nutzungszeit. Kabelloses Laden wird ebenfalls unterstützt.
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KI-fähig mit mehr als 90 % Wortgenauigkeit bei Sprachprompts und nahtloser KI-Integration.
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Optimiert für präzise und ausgewogene Musikwiedergabe auf Basis des LC3 Audiocodecs.
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Zertifiziert für führende virtuelle Meeting-Plattformen (mit UC-zertifizierten Varianten).
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Sichere Bluetooth-Low-Energy-Konnektivität inklusive vorgekoppeltem Adapter.
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Zentrale Geräteverwaltung durch Jabra Plus Management.
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Individuelle Anpassung und Steuerung über die Jabra Plus App für Mobile und Desktop (Desktop-Version ab späterem Zeitpunkt in 2026 verfügbar).
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Austauschbare Akkus zur Verlängerung der Produktlebensdauer und Unterstützung des Batterierecyclings.
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Nachhaltig konzipiert mit recycelten und biobasierten Materialien, austauschbaren Komponenten wie Akkus und Ohrpolstern sowie TCO-Zertifizierung Generation 10.
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Zwei Farbvarianten: Black und Warm Gray (ab April 2026 verfügbar).
Key Features Jabra Evolve3 85
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Over-Ear-Design für maximale Immersion und Geräuschisolierung.
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Ideal für Berufstätige, die in lauteren Umgebungen volle Konzentration benötigen.
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Erweiterte Akkulaufzeit mit bis zu 25 Stunden Gesprächszeit oder 120 Stunden Musikwiedergabe bei deaktiviertem ANC und Busylight.
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Mit nur 220 g Gewicht – 65 g leichter als Evolve2 85 – faltbarem Design und kompakter Aufbewahrungstasche äußerst mobil.
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569 Euro UVP
Key Features Jabra Evolve3 75
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On-Ear-Design für leichteres und luftigeres Tragen.
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Geeignet für hybride Arbeitsmodelle und mobiles Arbeiten.
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Mit nur 180 Gramm noch leichter als sein Vorgänger, das Evolve2 75.
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Dank faltbarem Design mit sehr schlankem Reiseetui passt es einfach in jede Tasche.
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Bis zu 22 Stunden Gesprächszeit oder 110 Stunden Musikwiedergabe bei deaktivierter ANC und Busylight .
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€399 UVP
Funktionen in Jabra Engage AI Complete
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KI-Gesprächszusammenfassungen – Automatische Transkription und Zusammenfassung von Anrufen, um den Nachbereitungsaufwand von Calls zu reduzieren.
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Automatische Erkennung des Anrufgrundes – Identifiziert automatisch den Grund des Anrufs, um Teams dabei zu unterstützen, Muster zu erkennen und Prozesse zu optimieren.
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Automatische Themenverschlagwortung – Markiert zentrale Themen des Gesprächs, um Muster zu erfassen und das Coaching zu optimieren.
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Tonfallerkennung in Echtzeit unterstützt Sie dabei, während des Anrufs Anpassungen vorzunehmen und Probleme schneller zu lösen:
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Tonfall-Analyse des Kunden – Zeigt den Erfolg des Gesprächs auf Basis eines automatisch ermittelten Stimmungswerts.
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Tonfall-Analyse des Agenten – Zeigt das Engagement und die Empathiefähigkeit des Mitarbeitenden.
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Insights- & Analyse-Dashboard – Übersicht über Gespräche zur Optimierung von Coaching und Qualitätssicherung.
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ClearSpeech entfernt Hintergrundgeräusche auf Kundenseite.
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Nach dem Anruf zeigen gewonnene Erkenntnisse, was gut gelaufen ist – und was beim nächsten Mal verbessert werden kann.
Gamification-Tools wie Abzeichen und Avatare steigern die Motivation der Teams.